Privacy

Foto: Judith Buss

Privacy

Performance von satellit produktion

Ein Leben ohne digital vernetzte Geräte ist für uns nicht mehr vorstellbar und, wenn wir mal ehrlich sind, auch nicht wünschenswert. Wir vertrauen ihnen Teile unserer intimsten Kommunikation an und outsourcen Fähigkeiten wie Orientierung, Erinnerungsvermögen, Verbindlichkeit und gesundheitliche Selbsteinschätzung. Gleichzeitig ist es kein Geheimnis, dass persönliche Daten digital gesammelt, gespeichert und weiterverarbeitet werden. Wir selbst füttern durch unser alltägliches online-Verhalten auch jene Algorithmen, die uns im Auftrag des Fortschritts berechenbar machen. Die so entstehenden Normen dienen uns in ihrer Eindeutigkeit als Ansporn, uns in ihrem Sinne zu optimieren. Finden wir das gut? Sind wir uns dessen bewusst? Und wie soll es weitergehen?

Anhand der fiktionalen Geschichte von MIA und FINN, einem jungen Paar, das sich online kennenlernt, erzählt „Privacy“ von möglichen Auswirkungen auf Leben und Privatsphäre und untersucht unsere digitale Verantwortung.


Team

Performer: Lotte Lindenborn, Matthias Renger, David N. Russo
Regie: Ana Zirner
Dramaturgie: Martina Missel
Choreografie: David N. Russo
Produktionsleitung und Presse: Claudia Illi
Bühne: Susan Waeckerlin
Kostüm: Henriette Müller
Texte: Theresa Seraphin
Video: Manuela Hartel
Licht: Rainer Ludwig
Sound: Jan Faszbender
Regieassistenz: Viktoria Lewowsky
Ausstattungsassistenz: Isabella Wehdanner
Videoassistenz: Iason Konstantinou

Recherche

Bei „Privacy“ machen wir uns selbst zum Objekt. Auf verschiedene und sehr persönliche Weise recherchieren die Regisseurin, die Dramaturgin und der Choreograf im Vorfeld zu dem Thema.

Ana Zirner, die Regisseurin, wird transparent. Sie hat einen Hacker damit beauftragt, alles über sie herauszufinden, was online möglich ist. Zudem beginnt sie sich selbst zu „quantifizieren“, um zu überprüfen was digital verordnete Selbstoptimierung mit dem Empfinden von Privatsphäre anstellt. Alle Daten werden gesammelt, und schließlich veröffentlicht (follow-ana.de).

Die Dramaturgin Martina Missel hat sich in den letzen Monaten sukzessive aus ihrem Online-Leben zurückgezogen. Sie hat ihren Facebook-Account gelöscht und kommuniziert ausschließlich über verschlüsselte Nachrichten. Sie hat die Nutzung aller Apps, die Standorte und andere persönliche Daten speichern, beendet. Die Auswirkungen auf ihr (Sozial-)Leben sind schon jetzt erheblich.

Der Choreograf David Russo beschäftigt sich in seiner somatischen Recherche mit der Definition von körperlichen Innen- und Außenräumen. Er hinterfragt die Grenzen von Privatsphäre auf einer ganz physischen Ebene und entwickelt erste choreografische Ansätze für die Performance.

 


Aufführungen

Uraufführung am 26.11.2016

Galerie der Künstler | Maximiliansstraße 42 | 80538 München

Weitere Aufführungen 27.11.2016 – 29.11.2016

 

Trailer


Presse

„(…) Die Münchner Theatermacherin Ana Zirner, die in der Vergangenheit schon unter Jugendlichen im Iran, Obdachlosen auf deutschen Straßen und Widerständlern im Nahen Osten recherchierte und bei ihren Projekten das Infragestellen des eigenen Standpunkts nie ausklammert, hat sich diesmal zu einem radikalen Selbstversuch entschlossen (…)“

Silvia Stammen, Theater heute, Februar 2017

„(…) Sehr schön dabei ist, dass „Privacy“ nicht auf eine bloße Kritik zielt, sondern sanft und in gelassen-positivem Ton vor Augen führt, wie sich Missverständnisse, Eifersüchteleien (…), aber auch heitere, intime Momente im Chat ergeben. (…) Was anders, aber auch oft im Grunde wie früher ist, zeigt sich in dieser feinsinnigen, berührenden Performance“

Michael Stadler, Abendzeitung, 28.11.2016

 

„(…) Durch die Texte, die Theresa Seraphin geschrieben hat, wird bald klar: Das digitale Abbild wirkt irgendwie spannender, glamouröser, als der tatsächliche Mensch. (…)“

Laura Freisberg, BR, 22.11.2016

 

„(…) Wie eine kühne Utopie wirkt es da, wenn Ana Zirner es ihrem Vorzeigepaar zuletzt erlaubt, sich zum Trost noch einmal richtig physisch aneinanderzuklammern. (…)“

Silvia Stammen, Theater heute, Februar 2017

 


 

Performance von satellit produktion in der Galerie der Künstler des Berufsverbands Bildende Künstler, München. Dieses Projekt wurde gefördert von der Landeshauptstadt München.

 

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